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Krisen-Tipps: Was stationäre Händler in Zeiten von Corona tun können

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung. Für jeden. Besonders stark leidet aktuell der stationäre Einzelhandel, denn nachdem die Läden schließen mussten, brechen die Umsätze vollständig weg. Einige haben den ersten Schock überwunden und suchen nun Mittel und Wege, um die Auswirkungen abzumildern und am Leben zu bleiben.

Um zu helfen, haben wir einige Tipps für Sie zusammengestellt, die sich kurz- und mittelfristig umsetzen lassen. Zum Start sei gesagt: Seien Sie flexibel und nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen die Digitalisierung bietet.

Download: Checkliste für erste Online-Maßnahmen

Erste Schritte in den E-Commerce

Der E-Commerce ist ein wichtiger Kanal in der Customer Journey. Wie wichtig, zeigt die Corona-Krise nun schmerzhaft, denn der Onlinehandel bietet aktuell, anders als der stationäre Handel, zumindest noch die Möglichkeit, Produkte zu verkaufen.

Nun lässt sich ein eigener Webshop sicherlich nicht über Nacht realisieren. Daneben gibt es aber digitale Kanäle, die sich schnell und mit relativ wenig Aufwand bespielen lassen, teils sogar komplett ohne Onlineshop.

Social Media als Verkaufskanal

Verkaufen über Instagram

Einige kleine und mittelständische Händler haben inzwischen schon vorgemacht, wie sich der Verkauf ohne E-Commerce-System auf Instagram schnell umsetzen lässt. Alles, was Sie brauchen, sind ein eigener Instagram-Kanal und Produktbilder. Dann können Sie Instagram wie einen Shop nutzen, um Ihre Produkte in einem Post zu präsentieren. Kommunizieren Sie klar und verständlich, wie der Prozess abläuft, von der Bestellung bis zur Lieferung:

  • Wird die Bestellung per Instagram-Nachricht, Mail oder Telefon übermittelt?
  • Liefern Sie persönlich, über einen Dienstleister oder können Sie eine Möglichkeit zur Abholung einrichten?
  • Soll die Bezahlung per Rechnung, PayPal oder über ein anderes Verfahren laufen?

Ergänzen Sie das reine Produktangebot um zusätzliche Services wie eine Onlineberatung und nutzen Sie die Chance, Nähe zu Ihren Kunden aufzubauen.

Hier ein Beispiel aus Hamburg: Der Concept Store Winkel van Sinkel verkauft Pflanzen über Instagram.

instagram-winkel-van-sinkel

Verkaufen über facebook

Facebook Marketplace bietet Händlern die Möglichkeit, ausgewählte Produkte zu präsentieren. Interessenten nehmen Kontakt zum Händler auf, mit dem dann die Bestellung geklärt wird. Da hier keine automatisierten Prozesse ablaufen, lässt sich Facebook Marketplace mit relativ wenig technischem Aufwand realisieren.

Hinweis für Händler mit einem eigenen Webshop: Neben dem Marketplace gibt es auch den Facebook Shop. Dieser funktioniert eher wie ein ausgereifter Webshop; Kunden werden hier zum Bestellen an den eigenen Webshop weitergeleitet, was eine gewisse technische Infrastruktur voraussetzt. Mit einem Facebook-Account können Sie zusätzlich einen Business Account auf Instagram erstellen und über eine Verknüpfung auch dort Ihren gesamten Produktkatalog hochladen und Shopping Posts erstellen. Über Produkt-Sticker werden die Kunden an den eigenen Webshop weitergeleitet. Ähnlich verhält es sich mit Produkt-Pins über Pinterest. Mehr dazu in unserem Artikel zum Social Commerce.

Download: In 5 Schritten zur Omnichannel-Strategie

Plattformen für den E-Commerce

eBay

eBay bietet Händlern, die bereits auf dem Markplatz verkaufen, zur Zeit gewisse Erleichterungen. So wird der Servicestatus bis zum 20. Juni nicht herabgesetzt, sollte die Bearbeitungszeit der Bestellungen in dieser Zeit nicht den üblichen Regelungen entsprechen. Zudem gibt es einen Aufschub der Verkaufsgebühren um 30 Tage.eBay Soforthilfepgrogramm

Händler, die auch stationär verkaufen, erhalten zusätzliche Unterstützung, indem eBay für alle bis zum 30. Juni neu eingestellte Artikel auf die Verkaufsprovision verzichtet und eine Beratung anbiete. eBay wird die Händler anschreiben, die für dieses Programm in Frage kommen. Über die E-Mail-Adresse localhero@ebay.com können andere stationäre Händler eine Anfrage stellen.

Stationäre Händler, die bislang noch nicht auf dem Marktplatz verkaufen, will eBay den Schritt in den E-Commerce erleichtern und bietet daher für sechs Monate einen kostenfreien Premium-Shop plus Concierge Premium-Kundenservice und verzichtet außerdem drei Monate auf die Verkaufsprovision.

Zalando

Mit Connected Retail bietet Zalando Händlern kostenlos die Technologie, um das eigene Geschäft an die Plattform anzubinden. Voraussetzungen sind, dass der Händler ein Sortiment bietet, das auch auf Zalando verkauft wird, dass er über einen Internetzugang verfügt und einen Vertrag mit DHL für den Paketversand hat.

Das Artikellisting, den Kundenservice und die Zahlungsabwicklung übernimmt Zalando. Die Bestellungen gehen über das Connected-Retail-Tool beim Händler ein, der die Ware verpackt und verschickt. Die Transaktionen werden im Kassensystem verbucht.

Die Kommission, die Zalando in der Regel einbehählt, senkt das Unternehmen vom 1. April bis zum 31. Mai 2020 auf 0 %. Kosten enstehen Händlern somit nur für den Versand. Sie profitieren zudem von wöchentlichen Auszahlungen.

idealo

Die Preisvergleichs-Plattform idealo bietet Händlern mit mindestens einem stationären Laden die Möglichkeit, ihre Angebote bis zum 30. Juni 2020 kostenlos zu listen, um ihre Reichweite zu steigern. Für diesen Zeitraum fallen keine Verkaufsprovisionen, CPC- oder Payment-Gebühren an. Um dort gelistet zu werden, ist allerdings ein Onlineshop nötig.

Douglas

Douglas ist erst Ende 2019 ins Markplatzgeschäft eingestiegen und öffnet die eigene Plattform jetzt für deutlich mehr Händler. Dazu Vanessa Stützle, Douglas Group EVP E-Commerce & CRM: „Vor dem Hintergrund der aktuell wirtschaftlich angespannten Lage bieten wir neuen Partnern für die nächsten drei Monate Vorzugskonditionen für die Freischaltung auf unserem Marktplatz. Wir möchten damit einen Beitrag leisten, den Handel in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen.“ Die Voraussetzungen dafür sind, dass digitale Produktdaten vorliegen und das Unternehmen mit DHL versendet. Interessenten können über die Mail-Adresse PartnerProgram@douglas.de direkt mit Douglas Kontakt aufnehmen.Download: B2C-Marktplätze im Überblick Wie finde ich den passenden Marktplatz?

Neu geschaffene Kooperationen, Plattformen & Initiativen

In den letzten Tagen haben sich vielfältige Möglichkeiten aufgetan, um lokale Händler, die ihre Läden schließen mussten, zu unterstützen. Digitale Experte bieten ihre Hilfe an, Händler werden selbst aktiv und die lokale Kundschaft zeigt, dass sie ihre Läden retten wollen.

Hier finden Sie einige neue Plattformen und Shops im Überblick:

  • Budapester Schuhe musste Läden schließen, betreibt daneben aber auch den Onlineshop mybudapester.de, über den Schuhe, Taschen und Accessoires verkauft werden und der jetzt anderen Händlern mit einem solchen Angebot zugänglich gemacht wird.  
  • Auf Plattformen wie Einzelheld können Händler ihre Produkte ohne eigenen Webshop anbieten; der Verkauf findet auf der Plattform statt. Die Lieferung führen die Unternehmen selbst aus, daher ist Voraussetzung, dass die Kunden in der Nähe des Geschäfts wohnen.
  • Auch auf Please don't close können sich Händler registrieren, bislang (Stand 26.03.2020) gibt es die Plattform in Berlin, London, Milan und Malta. Kunden und Interessenten werden hier auf den Onlineshop des Händlers, den Instagram Account oder einen anderen, eigenen Onlinekanal weitergeleitet.
  • In München haben sich die Stadt, die TU München und die ReDi School of Digital Integration zusammengetan und Mia gehn online ins Lebens gerufen. Hier können sich Kleinunternehmen mit maximal 15 Mitarbeitern bewerben und ihr Angebot kostenlos online stellen (Hinweis: Die Bewerbungsfrist endete am 31.03.).
  • Auf facebook ruft die Gruppe „Support your local Business Hamburg” zur Unterstützung auf: Hier interagieren Händler und Kunden miteinander, es gibt Angebote, Anfrage und Tipps. Solche Gruppen gibt es bereits für zahlreiche Städte.
  • Die App Wir von Hier will Kunden einen digitalen Einkaufsbummel durch registrierte Läden ermöglichen. Bei Interesse treten Kunden in Kontakt mit dem Laden und vereinbaren, wie die Ware bezahlt wird und nach Hause gelangt. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau.Logo Händler helfen Händlern
  • Initiativen wie Händler helfen Händlern bieten eine Plattform zum Austausch. Dazu heißt es auf der Seite: „Nur wenn wir jetzt gemeinsam handeln, sind wir in der Lage, die Krise zu überwinden. Dazu braucht es Kreativität und Wissenstransfer der Unternehmer, egal aus welchem Segment sie kommen – ob stationär oder online, Mittelstand oder Konzern, Traditionsunternehmen oder Start-Up.“ Geplant ist, stationären Händlern eine Plattform zu bieten, über die sie ihre Filialbestände verkaufen können und dann über Taxis, Lieferdienste oder regionale Logistikdienstleister ausliefern zu lassen. Auch ROQQIO gehört zu den Unterstützern.
  • #VoicesOfRetail will ein Gewicht für Entscheider in der Politik aufbauen. Dafür holt die Initiative neben dem Einzelhandel zum Beispiel auch Lieferanten, Dienstleister und Kreative ins Boot, also Unternehmen und Solo-Selbstständige, die mit der Branche wirtschaftlich verflochten und ebenso von der Corona-Krise betroffen sind.

Download: Checkliste für erste Online-Maßnahmen

Schnelle Hilfe in der Krise

Neben kreativen Verkaufsmöglichkeiten und neu geschaffenen Plattformen gibt es auch direkte Wege, um die Krise zumindest teilweise abzufedern.

Gutscheine & Rabatte

Bieten Sie Ihren Kunden die Möglichkeit, jetzt Gutscheine zu erwerben, die sie später einlösen können. Damit sichern Sie sich noch während der Ladenschließungen einen Teil der Liquidität. Einen zusätzlichen Anreiz bieten Vergünstigungen, zum Beispiel zahlen Kunden jetzt 100 Euro und bekommen später beim Einkauf im Laden 10 Prozent geschenkt.

Wer selbst nicht die technischen Möglichkeiten hat, einen Gutschein auszustellen, kann auch auf zentrale Plattformen zurückgreifen. Auf #paynowgetlater können sich Unternehmen kostenlos registrieren, einen PayPal.Me-Link erstellen und Gutscheinvorlagen nutzen, die sie dann an ihre Kunden versenden. Weitere Beispiele sind Rette deinen Lieblingsladen, Stammi und, für Läden, Bars und Cafés in unserer Hauptstadt Helfen.berlin.

Spendenaufruf

Speziell für Unternehmen und Marken mit Stammkundschaft und Liebhabern eignen sich kreative Spendenaufrufe wie der von Union Berlin. Hier können sich Fans virtuell ein Getränk oder etwas zu Essen gönnen, um den Verein zu unterstützen. Vielleicht zeigen sich auch Ihre Kunden bereit dazu?

Kreativ werdenInstagram: Buchhandlung Heymann zeigt sich kreativ

Die Buchhandlung Heymann in Hamburg schickt die Verkäufer jetzt als Fahrradkuriere durch die Nachbarschaft und hat an einem Standort sogar eine Abhollucke eingerichtet.

Bleiben Sie sichtbar

Kundenkommunikation

Seien Sie für Ihre Kunden da – nicht nur digital per Mail und Chat, sondern bieten Sie auch eine Telefonhotline für Fragen und Beratungen an. Denn: Die Menschen sind aktuell isoliert und gezwungen, vermehrt auf digitale Lösungen zurückzugreifen. Was fehlt, ist der menschliche Kontakt. Mitarbeiter können bei einem Gespräch Nähe aufbauen und Vertrauen wecken und damit nachhaltig die Kundenbeziehung stärken oder sogar neue aufbauen.

Kostenlose Werbung

Eine Initiative mehrerer Online-Marketing-Experten hat sich unter #gemeinsamstark zusammengetan, um für lokale Händler kostenlos Werbung auf facebook und Instagram zu schalten. Über diese Kanäle lässt sich mit regional ausgespielten Kampagnen eine gute Reichweite generieren. Voraussetzung ist u. a., dass der Händler die Ware ausliefert.

Schaufenster wichtiger Touchpoint

Der Laden ist zu, aber das Schaufenster lässt sich dennoch nutzen. In erster Linie natürlich, um auch jetzt die Ware zu zeigen und Kunden mit Plakaten oder Displays darauf aufmerksam zu machen, wie sie jetzt an die Ware kommen, sei es der Onlineshop, Instagram oder einfach eine Bestellung per Telefon. Weisen Sie auf Beratung im Web oder per Telefon hin. Oder bringen Sie kreative Botschaften unter, am besten mit einer Portion Humor und bleiben Sie dadurch im Gespräch.

Finanzielle Hilfe & Erleichterungen von der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat ein milliardenschweres Hilfsprogramm auf den Weg gebracht, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten. Dieses „Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen“ steht auf vier Säulen:

  1. Kurzarbeitergeld mit erleichterten Zugangsvoraussetzungen: Ein Unternehmen kann Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen wird. Bislang lag die Schwelle deutlich höher, bei 30 Prozent. Neu ist auch, dass die Bundesagentur für Arbeit die Sozialversicherungsbeiträge, die Unternehmen für ihre Beschäftigten zahlen, vollständig erstattet.
  1. Steuerliche Maßnahmen: Die Bundesregierung hat steuerliche Maßnahmen beschlossen, um die Liquidität von Unternehmen zu verbessern. Die Finanzbehörden können nun leichter eine Steuerstundung erlauben, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte bedeuten würde. Zudem können Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt und auf Vollstreckungsmaßnahmen verzichtet werden.
  1. Maßnahmen zur Liquiditätsausstattung: Zusätzlich wurden die Programme für Liquiditätshilfen ausgeweitet, um Unternehmen günstige Kredite zu gewähren. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) prüft jeden einzelnen Antrag, wobei der Weg zunächst über die Hausbank oder einen Finanzierungspartner (z. B. Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken) der KfW geht. Wird der Antrag genehmigt, übernimmt die KfW zwischen 70 und 80 Prozent des Risikos der Bank, was die Chance erhöht, einen Kredit zu erhalten.
  1. Zusammenarbeit in Europa stärken: Die europäischen Partner sollen ihre Corona-Maßnahmen stärker verzahnen. Konkrete Ankündigungen gibt es hier nicht, bislang heißt es: „Die Bundesregierung begrüßt die Idee der Europäischen Kommission, für eine ‚Corona Response Initiative‘ mit einem Volumen von 25 Milliarden Euro.“

Soforthilfe der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat ein Paket in Höhe von 50 Milliarden Euro geschnürt, das u. a. Kleinstunternehmen und Solo-Selbstständigen helfen soll. Es sieht vor, dass die Betroffenen eine Einmalzahlung von 9.000 Euro für 3 Monate bei bis zu 5 Beschäftigten erhalten, 15.000 Euro sind es bei bis zu 10 Beschäftigten. Die Soforthilfe muss nicht zurückgezahlt werden. Mehr Informationen finden Sie in den Eckpunkten.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bietet eine Aufstellung der Anlaufstellen für Soforthilfen nach Bundesländern.

Webinare für Händler

Das Kompetenzzentrum Mittelstand bietet in den kommenden Tagen eine Reihe an Webinaren und Worshops an, u. a. zu Themen wie der Sichtbarkeit im Netz sowie Potenzialen von Social Media und Plattformen für den Handel.

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ROQQIO Redaktion

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Dieser Artikel ist in der ROQQIO Redaktion entstanden. Hier schreiben PR- und Marketingexperten zu Themen rund um Trends, Technologien und Entwicklungen im Handel und Handelsmarketing.

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